Kastanien foin vom Baam, a jede a so was bsonders
Verschenkn si, grad a so
Verschenkn si, grad a so
An di, an mi, an a Kind, an a Reh,
grad a so, weils an da Zeid is, grad aso, weil d`Zeit reif is.
Grad a so.

Gern verschenk i mi an di, weil du bist fier mi a so was bsonders.
Verschenk mi nur an di, wenn du mi magst.
Verschenk mi nur an di, wenn du mi magst.
Vielleicht morgn, vielleicht nia, vielleicht jetzt mit dem Liad..
Hoid dann, wenns soweit is, hoid dann, wenns an der`Zeit is.
Hoid dann.

Wir alle ham so vui zum geem, verschenkn tun wir uns so seltn.
Aus Angst und Scham stirbt in uns manches Wunder,
dann fehlt uns die Freid am Leem.
Gib ihm Raum, mach dich weit, find den Mut, lass es raus.
Brings ans Licht, wenns so weit is.
Brings zur Welt, wenns an der Zeid is.
Lass es leem, lass es leem.

..brings ans Licht, wenns so weit is.


Das Abenteuer beginnt erst, wenn Du den Wald betrittst (Mickey Hart)

Die Geschichte zum Lied KASTANIEN


September 2010.
Sie gleitet auf den schmalen Reifen ihres City-Rades über den nassen Asphalt. Es regnet und der Wind zaust die Bäume.
Sie ist dabei, ein neues Leben zu beginnen. Jeden Tag möchte sie etwas tun, was sie noch nie zuvor getan hat, mit alten Gewohnheiten brechen. Heute ist es das Radfahren in der Mittagspause, noch dazu bei Regen.

Die hat ein Regencape an, beschließt, dass sie nicht aus Zucker ist. Sie möchte in die Innenstadt fahren, um ihr Fahrrad zur Wartung zu bringen. Das Licht funktioniert nicht, die Bremsen nur leidlich, das ganze Gerät wackelt und quietscht wie kurz vor dem Zusammenbruch, schließlich ist es 23 Jahre alt und hat Geschichte. Dieses alte Rad wieder her zu richten, ist ihr ein Anliegen, es hat mit der Rückeroberung von Eigenleben zu tun. Einst hatte sie es einem Liebsten geschenkt, als sie sich ein schönes rotes City-Rad mit weißem Sattel geleistet hatte, damit sie zusammen radeln konnten. Dann war ihr schönes Fahrrad auf obskure Art auf Nimmerwiedersehen verschwunden und der gefallene Liebhaber versetzte sein Rad im Pfandhaus für den Kauf von Drogen. Sie löste es aus und ein Kampf entbrannte um dieses Radl, den sie gewann. Der Ehemalige liegt mittlerweile unter der Erde. Das Radl fährt noch.

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Sie gleitet über nasse Gehwege, nimmt eine Einbahnstraße in Gegenrichtung, sie rumpelt über Randsteine, dass es ihr die Eierstöcke und die Gebärmutter durcheinanderschüttelt, sie lacht. Ihr Haar ist verwurschtelt, eine echte Windsbraut. Das Wetter macht ihr Spaß, eine Herausforderung, wie ihr neues Leben.
Unter dem prächtigen Kastanienbaum kleben braune Blätter auf dem Trottoir und bilden eine schmierige Schicht. Die flotte Radlerin erreicht den Baum. Ein kräftiger Windstoß bringt sie aus dem Gleichgewicht. Von oben prasseln die Kastanien auf sie herab und machen ein klackendes Geräusch auf dem Trottoir. Sie zieht die Bremse und kommt ins Schleudern. Wie in Zeitlupe legt sich das Fahrrad quer, die schmalen Reifen schmieren ab, sie steigt ab und landet auf dem Pflaster unter der Kastanie. Das alles geschieht so langsam, dass sie merkt, wie ihr geschieht.

Da sitzt sie nun unter dem mächtigen Baum, unverletzt zum Glück, auf ihrem Hosenboden, umgeben von frisch gefallenen Kastanien. Nachdem der Schreck sich gelegt hat, schaut sie sich ihre Lage an und sie kann nicht anders als lauthals los zu lachen. Ein kleines grünes Igelbällchen hängt ihr im Haar. Der prächtige Baum und der Wind haben sie großzügig beschenkt. Ohne den Sturz hätte sie das womöglich gar nicht wahrgenommen.
Sie staunt, Tränen treten ihr in die Augen. Jede Kastanie ein kleines Wunder und ganz eigen, ganz sie selbst. Sie hebt sie auf, lässt sie durch die klammen Finger gleiten, jung und ganz neu, frisch geschlüpft. Es gibt größere und ganz kleine, sogar ein Zwillingspärchen hat im Igel eng beieinander Platz gefunden und dafür eine Seite flacher gehalten. Sie führt sie an ihre Lippen, glatt, zart und fest.

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Sie holt einen hellen Leinenbeutel aus der Innentasche ihres Capes und sammelt die braunen Kugeln auf, glücklich wie ein Kind.
„Denk an den Kastanienbaum, geh um den Baum herum.“ hat der alte Schamane aus Nepal zu ihr gesagt. „Lausche, was der Baum dir zu erzählen hat. Du bist die Kastanienfrau. Halte dich an die Kastanie.“

Das hatte sie vergessen. Nun ist sie brüsk erinnert worden. Daran wer sie ist. Eine Glückliche im Unglück, eine Erfolgreiche im Scheitern. Eine, die beschenkt wird, wenn ihr genommen wird.

Sie schreibt ihr Kastanienlied von der Liebe, die verschenkt wird, von der Geburt und dem Mut ja zu sagen, wenn die Zeit reif ist.

Singweib! auf Itunes

Hier gibts das Lied "Wenn i di oschaug" auf Itunes

Das Album gibts natürlich auch als CD zu kaufen.

..und zwar hier:
Amazon - "Singweib! A wuids Gfui"

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